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Sternentraumreise am 14.09.2012

TMA feat. Martinson
und Naviara




















Vielen Dank an Stephan Schelle für die Fotos.




Bei seinem zweiten Auftritt im Planetarium Recklinghausen trat Torsten M Abel aka TMA zusammen mit Martin „Martinson“ Rohleder und dem Duo Naviára auf. Das Duo Naviára besteht aus Vera Meredith van Bergh (Piano, Gesang) und Anthony J. Walters (Keyboards) und wurde bereits im Jahr 2002 gegründet. Naviára produzieren mit ihrem symphonischen Sound Klänge, die zart unter die Haut gehen. Vera sorgt mit ihrer manchmal zerbrechlich wirkenden Stimme für eine sehr melancholische, Sehnsucht verheißende Stimmung. Das passte ganz hervorragend zu den Tracks von TMA & Martinson.
Im Planetarium Recklinghausen, das Platz für ca. 60 Besucher bietet und damit eine sehr intime Atmosphäre verströmt, wurden die Gäste zunächst mit sehr entspannenden Naturklängen empfangen. Das Licht im Rund des kleinen, aber sehr schmucken Planetariums, bei dem man sich wie in einem Wohnzimmer fühlt, war noch hell und doch entwickelte sich in diesen ersten Momenten, die auf das Konzert hinsteuerten, eine sehr entspannte und relaxte Stimmung.
Durch die Nähe des Publikums zu den Musikern saßen die Besucher förmlich auf dem Schoß der Musiker, was die sehr familiäre Stimmung im Planetarium noch verstärkte. Zwar kann das kleine Planetarium nicht mit den großen wie in Bochum mithalten und bietet auch keine Großprojektionen, doch verbreitet es einen ganz besonderen, liebevollen Charme, ähnlich einem kleinen Programmkino im Vergleich zu einem sterilen Multiplex-Kino.
Unter dem Motto „SternenTraumreise“ nahmen die vier Musiker das Publikum mit auf eine musikalische Reise von Sonnenunter- zu Sonnenaufgang. Diesen Zyklus füllten sie mit sehr ambienten, melodiösen und teilweise auch rhythmisch Stücken, die vor allem bei den TMA-Tracks Martin „Martinson“ Rohleder mit atmosphärischem Gitarrenspiel unterstrich. Erstellt hatten die vier das Programm aus Stücken ihrer Projekte, die sie abwechselnd zu aufführten. Und wenn Naviára dann mit eigenen Stücken an der Reihe war, dann wurde es meist poetisch, denn neben Gesang bot Vera vor allem wunderbar vorgetragene, voller Romantik und Poesie beseelte Texte. Gerade diese Passagen gefielen mir besonders gut.
Los ging es aber zunächst mit dem Stück „Circular Moments“ von TMA’s 2010’er Album „Sequentrips“. Torsten hatte dem Stück zirpende Grillen, rauschende Wellen und weit entfernten, hallenden Donner spendiert, was den Track sehr organisch und naturverbunden machte. Dazu sprach Vera einen Text, der auf den bevorstehenden nächtlichen Zyklus hinwies. Das Licht im Planetarium war bläulich wie bei einer abendlichen Dämmerstimmung und verdunkelte sich langsam während des ersten Tracks. Allmählich brach die Nacht herein und der Mond und die Gestirne zogen langsam auf, während sich die Musik weiter entwickelte. Nach einer Weile stieg Martin mit einer rhythmisch gespielten Gitarrenpassage in diesen Track ein. Das war ein sehr stimmungsvoller Auftakt.
Dann kam nach einer kurzen Pause (zwischen den einzelnen Stücken blieben immer einige Sekunden Pause), in der das Publikum nicht klatschte - man war ja auf einem Trip durch die Nacht - mit „On The Edge“ der erste Song von Naviára. In diesem Stück streute Vera Gesangsparts ein, die in deutscher Sprache gehalten waren. Die Texte der Stücke von Naviára waren nicht nur in deutscher sondern teilweise wie zum Beispiel in „Falling Star“ auch in englischer Sprache gesungen oder hatten auf deutsch gesprochene lyrische Texte. Das Stück begann durch eine Pianomelodie recht symphonisch und mauserte sich zu einem symphonischen, balladesken Stück mit Elektronikeinschlag. Die vier stießen hier ein neues Tor auf, das Grenzen überschritt, denn Elektronikmusik ging eine Symbiose mit balladenhafter deutscher Popmusik und symphonisch wirkenden Pianomelodien ein, was mal eine ganz neue Spielart in der Szene darstellt.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass Vera an diesem Abend ein Handycap zu tragen hatte, denn sie war die Woche über krank und fast hätte der Auftritt nicht stattfinden können. Das machte sich zum Glück aber nur an ganz wenigen Stellen beim Gesang bemerkbar, ansonsten bot sie eine sehr ansprechende Performance und hatte vor allem dann ihre Stärken, wenn sie die Texte gesprochen vortrug. Dann breitete sich ein mystischer Schleier im Rund des Planetariums aus, dem man sich kaum entziehen konnte. In einem Stück sprach sie beispielsweise über den Steingärtner, der im Gegensatz zu einem normalen Gärtner kaum Veränderung in seinem Garten bzw. seinem Arbeitsergebnis sieht.
Immer abwechselnd präsentierten die beiden Projekte ihre Stücke, die so zu etwas ganz Neuem wurden. Nach gut einer Stunde endete dann die Traumreise durch die Nacht mit dem neuen Stück von TMA „Birth Of A New Light“. Auch in dieses Stück hatten sie Vogelgezwitscher eingebaut und dazu läutete eine Glocke. Recht harmonische Keyboardflächen gesellten sich hinzu und so langsam wurde die Dunkelheit im Planetarium wieder durch bläuliches Licht und damit die Morgendämmerung abgelöst. Der Kreis schloss sich und der Tag brach an. Nach einigen Momenten schälte sich dann ein Rhythmus heraus und Martin stieg mit seiner E-Gitarre ein. Der Tag wurde sehr melodisch und rhythmisch empfangen. Ein tolles Ende, wie ich finde.
Nach dieser einstündigen entspannenden Reise, war natürlich noch Zeit für Zugaben. Vor allem „Moments“ mit seinem herrlichen poetischen Text, entführte fast noch einmal in die Nacht zurück, doch jetzt war das Licht im Rund des Planetariums heller und man konnte die Musiker an ihren Instrumenten beobachten. Den Abschluss bot dann das Stück „Klangsteine“, bei dem Anthony allerdings einige Probleme mit den Sounds aus dem Rechner hatte, die er aber schnell überwand und so noch einen zunächst atmosphärischen, im weiteren Verlauf aber an Dynamik gewinnenden Track präsentierte. Lediglich die E-Drum klang in diesem Stück etwas kalt und steril.
Visuell wurde die Musik von Projektionen an der Kuppeldecke begleitet, die vor allem einen sich bewegenden Sternenhimmel zeigten. Neben dem dahin ziehenden Nachthimmel, der eine Vielzahl von Sternen bot, war aber beispielsweise auch die Sonne, ein Asteroid im Stück „Falling Star“, ein Spiralnebel und auch ein großer Saturn an der Kuppel zu bewundern.
Torsten M. Abel, Martin Rohleder & Vera M. van Bergh und Anthony J. Walters haben einen gelungenen Auftritt im Planetarium Recklinghausen abgeliefert, der mal wieder zeigt, das unterschiedliche Musikstile sich nicht ausschließen müssen und auch Elektronik und Gesang funktionieren.

Stephan Schelle, September 2012



Die Sternwarte Recklinghausen kannte ich bis zu diesem verregneten Freitag im September nicht. Gewöhnt bin ich eher an Dimensionen, wie sie das Planetarium Bochum bietet. Und im Vergleich mit dem PlaBo ist die Sternwarte in Recklinghausen mit seinen 60 Plätzen schon etwas „übersichtlich“. Das hat aber den Charme, dass der Raum sehr familiär wirkt und einem Konzert eine intime Atmosphäre verleiht. Bei strömendem Regen kamen wir in Recklinghausen an, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Zwar war die Sternwarte nicht bis auf den letzten Platz besetzt, aber der Abend war sehr gut besucht.
Das Konzert von TMA & Naviara hatte ein ganz eigenes Konzept, was schon in den mitwirkenden Künstlern begründet war. An den Instrumenten betätigten sich an dem Abend Torsten Abel (Synthesizer) und Martin „Martinson“ Rohleder (Gitarre) als TMA sowie Vera M. van Bergh (Texte, Stimme und Klavier) und Anthony Walters (Synthesizer) als Naviara.
Der Abend galt einer „Sternentraumreise“, einer Reise durch die Nacht, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Es begann mit der Klangkulisse eines Gewitters; dann erzählte Vera van Bergh den Anfang eines Märchens. Musikalisch begann es mit „Circular Movements“ von TMA. In dieser Liveversion unterschied sich das Stück deutlich von der Fassung auf dem Album „Sequentrips“. Gewitter und Regen wurden z. B. daruntergelegt. Über uns tauchten langsam ein paar mehr Sterne neben dem Mond auf, und ab und zu fiel eine Sternschnuppe vom Himmel. Dann hörte man, wie sich eine Person entfernte, eine Tür fiel zu, und die „Circular Movements“ fanden ein Ende.
Es folgt mit „On The Edge“ ein Lied von Naviára. Es wurde dunkler im Saal, und mit der Klavierbegleitung und den Streichern aus den Synthesizern wirkte das Stück sehr romantisch. Diese Musik unterschied sich deutlich genug von „herkömmlicher“ EM, so dass ich den Gesang als sehr passend empfand.
TMA schickte uns dann in sein „Dreamland“, aber im Chill mix. Nun bekam auch Martinson zu tun, wobei ich den Eindruck hatte, dass er sich mit seinem Spiel in dem kleinen Raum zurückhalten musste. Während die Ohren im Traumland weilten, wurden für die Augen Planetenumlaufbahnen an den Himmel projiziert.
„Falling Star“ hieß das folgende Stück. Mit E-Piano wurde dieses etwas flottere Lied begleitet, das auch weniger romantisch wirkte als „On The Edge“. Der nächste Teil war eine Erzählung vom Steingärtner, die von mystisch-atmosphärischer Musik unterlegt war. „Ghost Whispers“ von TMA, das mit seinen schnellen Sequenzen einen anderen Akzent setzte, wurde mit einem gesprochenen englischen Text versehen. Bei diesem Titel konnte man schön sehen, wie Martin auf seiner E-Gitarre die Basstöne spielte.
Unter dem Sternbild Leier und anderen, die wir über uns sahen, wurde als nächstes „Bleib wo du bist“ gespielt; auch dieses Stück hatte einen deutschen Text. Anschließend wurde Martinson ein bisschen „von der Leine“ gelassen, und er spielte seine Gitarre ein wenig mehr aus. Der Track „Deja Vu“ hatte einen auffallend schönen Bass. Über uns schwebte derweil ein Spiralnebel.
Mit „Geh nicht“ folgte wieder ein Lied von Naviara, das ebenfalls mit dem Klavier begleitet wurde. Nun sollte es langsam Morgen werden, denn das letzte Stück hieß „Birth Of New Light“. Vögel begannen zu singen, Kirchenglocken läuteten. Es schlägt sechs Uhr – der Morgen ist zu hören, aber (noch) nicht zu sehen. Den Synthesizern wurden Töne entlockt, die zu einem Tagesanbruch passen. Dann folgen schnelle Percussionsounds und entsprechende Sequenzen. Das Stück erfährt durch die E-Gitarre eine weitere Steigerung. Es dämmert, der Himmel hellt sich im Lauf des Stückes auf. Die Sonne geht auf, und es wird so hell, dass ich meine Notizen nicht mehr völlig blind schreiben muss... „Birth Of New Light“ wurde übrigens eigens für diese Sterntraumreise komponiert: Ein würdiger und sehr schöner Abschluss für diese etwa einstündige Performance.
Doch so einfach ließ man die Musiker ja nicht gehen: Als erste Zugabe hörten wir „Moments“ – auch so ein markantes TMA-Stück, das man unmittelbar erkennt. Es folgte eine Erzählung von Naviara, die sehr klassisch mit Klavier und Streichern untermalt war. Diese Erzählung stimmte sehr nachdenklich und führte die Wichtigkeit der Bewahrung der Schöpfung vor Augen. Und eine dritte Zugabe sollte den Abend beschließen, wobei wir aber noch eine kleine Improvisation geboten bekamen, während der Anthony Walter seine Geräte einstellen konnte. Heraus kam mit „Klangsteine“ ein Powerstück: satter Bass, deftige Drums, fetzige E-Gitarre. Dieses Stück schreit nach einer großen Bühne, wo sich die Musiker austoben können!

Andreas Pawlowski (Schalldruck)









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